Bildungsreise und öffentliche Veranstaltung des DRA-Projektes "Kriegsfolgen gemeinsam überwinden" in Berlin |

Vom 08. bis 15. November, waren im Rahmen der Bildungsreise des Projektes „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ Vertreter_innen von 26 NGOs aus der gesamten Ukraine, die im Bereich der humanitären, Trauma- und Sozialarbeit mit Binnenvertriebenen, Kriegsrückkehrern und Opfern von Gewalt tätig sind, in Berlin.

Neben Workshops, Führungen und Vorträgen zur deutschen Erinnerungskultur von staatlichem Unrecht und Gewaltverbrechen fanden Austausch- und Begegnungsveranstaltungen mit Organisationen und Vereinen, wie Brot für die Welt, Amica e.V., Amaro Drom e.V. , KIGA e.V. , Owen e.V. und dem Modellprojekt „Perspektivwechsel Plus“ u.a. statt. Zu theatralem Austausch und Diskussion des Umgangs mit Diskriminierungen und (Nach-)Kriegserfahrungen kam es bei den Treffen mit den zwei Forum-Theaterinitiativen „Kuringa“ und Theater gegen Rassismus.

Dank der thematischen Spannbreite der Reise konnten die Teilnehmer_innen der verschiedenen Schulungsreihen des Projektes Einblick in die Themen und Methoden der jeweils anderen Schulungen erhalten. So setzten sich die Teilnehmer*innen, die nicht an der Schulung zur Antidiskriminierungsarbeit teilgenommen hatten, zum ersten Mal mit verschiedenen Formen und Narrativen der nationalen Erinnerung von Geschichte, insbesondere der Zeit des deutschen Nationalsozialismus, auseinander.

Auch stieß beispielsweise das bereits genannte Forumtheater, das bis auf die Teilnehmer*innen der Schulungsreihe zu diesem Thema, wenig Teilnehmenden bekannt war, auf großes Interesse und wurden im gemeinsamen Gespräch zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für dieses Instrument der sozialen Arbeit entdeckt.

Gleichermaßen beeindruckt und, wie viele Besucher sagten, „tief berührt“ hat die Berliner Öffentlichkeit die Aufführung des im Projekt erarbeiteten Theaterstücks „Die Gesichter des Krieges“ am 10. November im Haus der Demokratie und Menschenrechte. Statt, wie beim Forumtheater üblich, ein Forum (d.h. das Ersetzen einzelner Schauspieler durch Personen aus dem Publikum) an die Aufführung des Stückes anzuschließen, wurde bei dieser öffentlichen Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion fortgesetzt. Im Gespräch mit 6 Teilnehmer*innen auf dem Podium sowie aktiver Beteiligung der restlichen 20 Teilnehmer*innen der Bildungsreise aus dem Publikum heraus, berichteten die ukrainischen Aktivist_innen über ihre Erfahrungen als Akteure des „Theaters der Unterdrückten“, die aktuelle Lebenssituation der Binnenvertriebenen und humanitäre Lage im Kriegsgebiet sowie über die sonstigen gegenwärtigen Herausforderungen der ukrainischen (Zivil-)Gesellschaft, wie bspw. die unzureichende psychotherapeutische Versorgung der zahlreichen Traumatisierten oder das zunehmende Verschwinden von Menschen in den besetzten Gebieten. Im anschließenden, formlosen Teil des Abends, bei Getränken und Snacks, setzte sich das Gespräch in kleinen Gruppen fort. (Zum Eindruck der ukrainischen Botschaft von der Veranstaltung siehe hier.)

Das Theaterstück wurde während der letzten Schulungseinheit zum Forumtheater entwickelt. Diese fand unmittelbar vor der Bildungsreise, vom 03. – 08. 11 2015, in Lychen statt.

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